Zwei der wichtigsten „Big Tech“-Aktien der Welt, beide Milliarden-Konzerne, beide mit enormem Einfluss auf unsere digitale Infrastruktur – aber mit sehr unterschiedlichen Geschäftsmodellen: Alphabet (Google) und Amazon.
In diesem Artikel geht es nicht um kurzfristiges Trading, sondern um eine nüchterne Einordnung: Fundamentaldaten, Bewertung, Chancen und Risiken – gedacht aus Sicht eines langfristigen Mit-Eigentümers. Keine Finanz-, Steuer- oder Rechtsberatung, sondern meine persönliche Alien-Perspektive.
1. Geschäftsmodelle & Fundamentaldaten
Alphabet – hochprofitable Daten- & Werbemaschine
Alphabet ist die Muttergesellschaft von Google, YouTube, Android, Google Cloud und einigen Zukunftsprojekten („Other Bets“ wie Waymo oder Verily). Das Kerngeschäft ist extrem profitabel: Suchmaschine, YouTube und Werbeplattformen liefern sehr hohe Margen, weil Alphabet digitale Produkte verkauft, die kaum Stückkosten haben.
In den letzten Jahren ist der Umsatz stark gewachsen – und der Gewinn noch stärker. Alphabet erzielt operative Margen im Bereich von grob 25–30 % und Nettomargen von deutlich über 20 %. Gleichzeitig sitzt der Konzern auf einem Berg aus Cash und hat praktisch keine Nettoschulden. Das ist das klassische „Cash-Cow-Techmonster“.
Amazon – Umsatz-Goliath mit dünneren Margen
Amazon wirkt auf den ersten Blick noch beeindruckender: deutlich höherer Gesamtumsatz, riesiges Logistiknetzwerk, Marktplatz, Eigenhandel, Prime-Ökosystem, Cloud (AWS), Streaming, Werbung – einmal alles bitte. Der Haken: Das Kerngeschäft E-Commerce ist extrem margenschwach.
Amazon verdient sein Geld vor allem in den „höherwertigen“ Sparten wie AWS (Cloud) und Werbeumsätzen auf der eigenen Plattform. Der Konzern ist klar profitabel, aber die Gewinne schwanken stärker und die Netto-Margen liegen deutlich unter denen von Alphabet. Dazu kommt mehr Verschuldung und insgesamt ein kapitalintensiveres Modell.
Moats im Vergleich
- Alphabet: Dominanz in der Suche, starke Stellung im digitalen Werbemarkt, YouTube, Android – Netzwerkeffekte, Datenvorteile und sehr hohe Wechselkosten für Werbekunden.
- Amazon: Dominanz im E-Commerce, riesige Infrastruktur, AWS-Marktführer in der Cloud, starke Lock-in-Effekte für Händler, Kunden und Entwickler.
Beide Unternehmen haben einen breiten Burggraben – aber Alphabet wandelt diesen Moat aktuell konsequenter in hohe Margen um, während Amazon deutlich mehr investieren muss, um sein System am Laufen zu halten.
2. Bewertung: Was bezahlt der Markt?
Stand Ende 2025 werden beide Aktien mit einem KGV im niedrigen 30er-Bereich gehandelt. Also kein „Value-Schnäppchen“, sondern klassische Qualitätswerte mit Aufpreis. Wichtig ist der Kontext:
- Alphabet: Hohe Margen, starke Free-Cashflow-Generierung, massive Cash-Reserven. Pro Dollar Gewinn bekommst du hier ein sehr profitables und breit aufgestelltes Werbe- und Cloud-Geschäft.
- Amazon: Geringere Margen, kapitalintensiver, dafür mehr Umsatz und breitere Diversifikation. Die Bewertung setzt voraus, dass Amazon seine Profitabilität in Handel und Cloud spürbar weiter steigert.
Aus Eigentümer-Sicht wirkt Alphabet in der aktuellen Phase meist etwas „sauberer“ bewertet: viel Gewinn, viel Cash, klarer Burggraben. Amazon ist eher eine Wette auf künftige Margenverbesserungen – mit entsprechendem Ausführungsrisiko.
3. Bullen vs. Bären – Pro- und Contra-Argumente
Alphabet – Argumente der Befürworter
- MarktfĂĽhrer in Suche & Online-Werbung, starke Stellung mit YouTube und Android.
- Hohe Kapitalrenditen (ROE/ROIC), extrem profitables Kerngeschäft.
- Solide Bilanz, großer Cash-Bestand, hohe Flexibilität für Buybacks, Dividenden und Forschung.
- Starke Position im KI-Bereich, Integration von KI in Suche, Cloud und Produkte.
Alphabet – Hauptkritikpunkte
- Große Abhängigkeit vom Werbegeschäft.
- Regulatorische Risiken (Kartellverfahren, Datenschutz, mögliche Auflagen oder Strafen).
- Konkurrenz durch neue KI-Suchmodelle und alternative Plattformen (z. B. Amazon, TikTok).
- Kostspielige „Other Bets“, deren wirtschaftlicher Nutzen noch unklar ist.
Amazon – Argumente der Befürworter
- Marktführer im Online-Handel in vielen Ländern, riesiger adressierbarer Markt.
- AWS als global dominierende Cloud-Plattform mit strukturellem Wachstum.
- Schnell wachsendes Werbegeschäft mit hohen Margen.
- Skaleneffekte in Logistik und Infrastruktur, die kaum ein anderer Player replizieren kann.
Amazon – Hauptkritikpunkte
- Geringe und schwankende Konzernmargen, besonders im Handel.
- Wachstumsverlangsamung, insbesondere bei AWS im Vergleich zu frĂĽher.
- Politische und regulatorische Risiken (Kartellverfahren, Arbeitsbedingungen, Digitalsteuern).
- Hohe Erwartungen in der Bewertung – wenig Fehlertoleranz bei Prognosen.
4. Chartbild (3 Monate, Stand Ende November 2025)
Kurzfristig ist auch die Kursentwicklung interessant – nicht für Daytrading, sondern um zu sehen, wie der Markt die Storys aktuell einpreist:
- Alphabet: Klarer Aufwärtstrend, neue Allzeithochs, der Kurs liegt deutlich über zentralen gleitenden Durchschnitten. Der Markt preist Alphabet derzeit offensichtlich als KI- und Werbe-Gewinner ein.
- Amazon: Eher Seitwärts- bis leicht Abwärtstrend in den letzten Monaten. Nach starken Anstiegen kam eine Korrektur, aktuell pendelt die Aktie zwischen Unterstützung und Widerstand in einer Range.
Charttechnisch wirkt Alphabet im Moment stärker, während Amazon noch damit beschäftigt ist, den letzten Kursschub zu verdauen.
5. Fazit: Welche Aktie wirkt attraktiver?
Beide sind Schwergewichte, beide haben Burggräben, beide sind keine Penny-Stocks, sondern Großmacht-Titel. Aus meiner Sicht:
- Alphabet ist derzeit der „saubere Quality-Play“: hohe Margen, viel Cash, starke Marktstellung, gute Kapitalrenditen. Die Risiken liegen vor allem in Regulierung und technologischem Wandel, aber der Ausgangspunkt ist extrem stark.
- Amazon ist eher die „Optionalitäts-Wette“: Wenn Margen in Handel und Cloud deutlich steigen, kann die Aktie langfristig weiter durchziehen. Wenn nicht, war der Preis vielleicht etwas optimistisch.
Wenn ich als Alien zwischen nur diesen beiden wählen müsste, würde ich tendenziell eher zu Alphabet tendieren – einfach weil das Chance/Risiko-Verhältnis aus Sicht eines langfristigen Mit-Eigentümers etwas klarer aussieht. Aber ob, wann und wie du investierst, ist deine Entscheidung. Denk selbst, vertraue niemandem – auch keinem Alien im Raumanzug.