Rollins Inc. ist einer dieser unscheinbaren Dienstleister, die im Alltag kaum jemand wahrnimmt â aber im Hintergrund extrem stabile Cashflows produzieren. SchĂ€dlingsbekĂ€mpfung klingt nicht sexy, ist aber essenziell: fĂŒr Privathaushalte, Restaurants, Hotels, Logistik, Lebensmittelproduktion. Genau hier verdient Rollins seit Jahrzehnten Geld â mit wiederkehrenden ServicevertrĂ€gen.
âWenn Kakerlaken, Termiten und Ratten nicht verschwinden, verschwindet auch der Bedarf nach Rollins nicht. Die Frage ist nur: Zu welchem Preis kaufst du dieses GeschĂ€ftsmodell als Mit-EigentĂŒmer?â đœ
1) KurzĂŒberblick
Rollins Inc. (NYSE: ROL) ist ein weltweit tĂ€tiger Dienstleister fĂŒr SchĂ€dlingsbekĂ€mpfung und SchĂ€dlingsschutz. Ăber Marken wie Orkin, HomeTeam und weitere Tochtergesellschaften bedient das Unternehmen Privat- und Gewerbekunden in Nordamerika und international.
- Ticker: ROL
- Börse: NYSE, USA
- Branche: Verbraucherdienstleistungen / SchÀdlingsbekÀmpfung
- GeschÀftstyp: defensiver Service mit wiederkehrenden Einnahmen
- Aktueller Kurs (grober Bereich): ca. 62 US-Dollar je Aktie
- Marktkapitalisierung: rund 30 Mrd. US-Dollar
- KGV (TTM): etwa 57,5 â deutlich ĂŒber dem S&P-500-Durchschnitt (~31)
Kurz gesagt: Rollins wird vom Markt wie ein qualitativ hochwertiger, defensiver Wachstumswert mit deutlichem Bewertungsaufschlag behandelt.
2) GeschÀftsmodell & Segmente
Rollins verdient sein Geld mit Dienstleistungen rund um SchĂ€dlingsbekĂ€mpfung und -prĂ€vention. Das GeschĂ€ftsmodell ist erstaunlich robust: Ungeziefer kĂŒmmert sich nicht um Konjunkturzyklen, und viele VertrĂ€ge laufen langfristig mit regelmĂ€Ăigen Inspektionen.
- Residential: Hausbesuche bei privaten Kunden â etwa zur BekĂ€mpfung von Insekten, Nagern oder Termiten. Meist als laufende ServiceplĂ€ne statt einmalige EinsĂ€tze.
- Commercial: Services fĂŒr Restaurants, Hotels, SupermĂ€rkte, LagerhĂ€user, Industrie usw. Hier sind ZuverlĂ€ssigkeit, Dokumentation und regulatorische Compliance besonders wichtig.
- Termite Services: Spezialisierte Leistungen zur Erkennung und BekÀmpfung von Termiten, oft mit komplexeren VertrÀgen und höherer Wertschöpfung pro Kunde.
Rollins betreibt ĂŒber 900 Standorte weltweit, inklusive Franchises. Der ĂŒberwiegende Teil des Umsatzes kommt aus Nordamerika, rund 7 % entfallen auf internationale MĂ€rkte (Europa, Asien, Australien). Das GeschĂ€ftsmodell ist klar defensiv: SchĂ€dlingsschutz ist eine Grunddienstleistung, die selbst in schwĂ€cheren Konjunkturphasen selten komplett gestrichen wird.
Wichtige Merkmale:
- Hoher Anteil wiederkehrender Einnahmen durch ServiceplÀne und langfristige VertrÀge
- Preissteigerungen und Cross-Selling als zentrale Wachstumstreiber
- Skaleneffekte durch dichte Servicenetze und zentrale Beschaffung
3) Wachstum & Entwicklung (2023â2024 und Q3 2025)
Rollins wĂ€chst seit Jahren zuverlĂ€ssig, sowohl organisch als auch ĂŒber Ăbernahmen:
- Umsatz 2023: ca. 3,07 Mrd. US-Dollar
- Umsatz 2024: ca. 3,39 Mrd. US-Dollar â ein Plus von rund 10 % gegenĂŒber 2023
- Nettogewinn 2023: etwa 435 Mio. US-Dollar
- Nettogewinn 2024: etwa 466 Mio. US-Dollar â etwa +7 % gegenĂŒber 2023
Im laufenden GeschÀftsjahr hÀlt der Trend an:
- Q3 2025 Umsatz: ca. 1,03 Mrd. US-Dollar (+12 % gegenĂŒber Q3 2024)
- Q3 2025 Nettogewinn: rund 164 Mio. US-Dollar (+19 % YoY)
- Q3 2025 EPS: 0,34 US-Dollar je Aktie (+21,4 % YoY)
Das Bild: zweistelliges Umsatzwachstum, der Gewinn wĂ€chst etwas schneller als der Umsatz â ein Hinweis auf operative Hebel und Effizienzgewinne. Ein Teil des Wachstums kommt aus Akquisitionen, der organische Anteil liegt im mittleren einstelligen Bereich.
4) ProfitabilitÀt & Bilanz
Rollins ist fĂŒr ein Dienstleistungsunternehmen sehr profitabel und gleichzeitig wenig kapitalintensiv.
Margen
- Bruttomarge: rund 53â54 % (z. B. 52,7 % im Jahr 2024, 54,4 % in Q3 2025)
- Operative Marge: knapp 20 % im Gesamtjahr 2024 (19,4 %) und rund 21,9 % im Q3 2025
- Nettomarge: im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich (ca. 13,8 % in 2024, ca. 15,9 % in Q3 2025)
FĂŒr einen Servicekonzern sind das starke Werte. Der Mix aus wiederkehrenden VertrĂ€gen, hoher Auslastung und skalierbaren Strukturen fĂŒhrt zu stabilen zweistelligen operativen Renditen.
Cashflows
- Operativer Cashflow 2023: ca. 528 Mio. US-Dollar
- Operativer Cashflow 2024: ca. 608 Mio. US-Dollar (+15 % YoY)
- Freier Cashflow 2024: rund 580 Mio. US-Dollar (CapEx im niedrigen zweistelligen Mio.-Bereich)
- Operativer Cashflow Q3 2025: ca. 191 Mio. US-Dollar (+30 % YoY)
Das GeschĂ€ft bindet wenig Kapital in Maschinen und Anlagen, weshalb ein groĂer Teil des Gewinns in freien Cashflow umgewandelt werden kann â attraktiv aus EigentĂŒmer-Sicht.
Verschuldung & BilanzqualitÀt
- Langfristige Schulden: Anleihen ĂŒber ca. 500 Mio. US-Dollar (netto rund 486 Mio.)
- Liquide Mittel: rund 127 Mio. US-Dollar (per Ende Q3 2025)
- Eigenkapital: ca. 1,53 Mrd. US-Dollar
Die Bilanz ist moderat gehebelt und weit entfernt von gefĂ€hrlichen Verschuldungsniveaus. Covenants werden eingehalten, die Ratingagenturen sehen die Kapitalstruktur als solide. FĂŒr einen defensiven Servicewert ist das ein ruhiges Setup.
5) Wettbewerb & Burggraben
Rollins konkurriert in erster Linie mit anderen groĂen und mittelgroĂen SchĂ€dlingsbekĂ€mpfern:
- Rentokil Initial (UK)
- Ecolab (USA, breiter aufgestellt, u. a. Hygiene & Reinigung)
- Anticimex (Schweden, Private-Equity-gefĂŒhrtes Wachstumsunternehmen)
- Diverse regionale Anbieter und Franchises
Beim Wachstum liegt Rollins aktuell vorne: WĂ€hrend Rentokil im Q3 2025 um etwa 4â5 % wĂ€chst, meldet Rollins rund 12 % Umsatzplus im selben Zeitraum. Gleichzeitig sind die Margen stark â und die Bewertung entsprechend hoch.
Auf KGV-Basis (TTM) ergibt sich ungefÀhr folgendes Bild:
- Rollins: ~57
- Rentokil: ~35
- Ecolab: ~39
- ABM Industries: ~23
Rollins steht damit am oberen Ende der Branchenbewertung. Der Markt traut dem Unternehmen offenbar besonders hohe und stabile ErtrÀge zu.
Burggraben (âMoatâ)
Der Wettbewerbsvorteil von Rollins ist weniger ein ultimatives Patent, sondern die Kombination aus:
- Dichtes Servicenetz mit ĂŒber 900 Standorten und hoher geografischer Abdeckung
- Starken Marken wie Orkin, die in vielen Regionen seit Jahrzehnten bekannt sind
- Langfristigen Kundenbeziehungen und automatisierten VertragsverlÀngerungen
- Skaleneffekten bei Einkauf, Marketing und IT-Systemen
FĂŒr kleine regionale Anbieter ist es schwer, diese PrĂ€senz und ProfessionalitĂ€t zu matchen. Rollins profitiert von der laufenden Konsolidierung der Branche, indem immer wieder kleine Wettbewerber ĂŒbernommen und in das eigene Netz integriert werden.
6) Kundenperspektive â solide, aber nicht makellos
Ein spannender Blick ist der aus Kundensicht:
- Auf der offiziellen Orkin-Webseite finden sich zahlreiche sehr positive Bewertungen â pĂŒnktliche, freundliche Techniker, wirksame Behandlungen, gute Erreichbarkeit.
- Auf unabhÀngigen Plattformen wie dem Better Business Bureau (BBB) sieht das Bild gemischter aus: dort liegt Rollins bei etwa 1,5 von 5 Sternen (auf Basis einiger hundert Bewertungen).
Typische Kritikpunkte in den negativen Bewertungen:
- verpasste Termine oder schlechte Kommunikation
- anhaltende Probleme trotz mehrerer EinsÀtze
- Unzufriedenheit mit der Vertragsabwicklung oder KĂŒndigung
Fazit aus Alien-Sicht: Rollins scheint insgesamt ein funktionierendes Servicekonzept zu haben, aber wie bei vielen GroĂdienstleistern schwankt die QualitĂ€t je nach Region und Team deutlich. Langfristig können anhaltende Serviceprobleme den Markenwert und die KundenloyalitĂ€t beschĂ€digen.
7) Mitarbeiterperspektive â Durchschnitt mit Druck
Auf Plattformen wie Glassdoor wird Rollins mit rund 3,3 von 5 Sternen bewertet â solides Mittelfeld. HĂ€ufig gelobt werden:
- faire Bezahlung und Benefits
- solide Schulungen fĂŒr neue Techniker
- JobstabilitÀt in einer recht konjunkturresistenten Branche
Kritikpunkte:
- lange Arbeitszeiten und hoher Termindruck
- teilweise hierarchischer, wenig empathischer FĂŒhrungsstil
- Kommunikationsprobleme zwischen Management und AuĂendienst
Das klingt nach einem klassischen, eher konservativen Serviceunternehmen: stabil, aber nicht unbedingt ein Traum-Arbeitgeber. FĂŒr Investoren ist wichtig, dass sich operative Probleme aus Ăberlastung oder Fluktuation irgendwann auch im Service-Level und damit in der Kundenbasis niederschlagen können.
8) Aktuelle strategische Themen
Strategisch verfolgt Rollins einen bekannten Dreiklang:
- Organisches Wachstum: neue Kunden, Preisanpassungen, Cross-Selling rund um bestehende VertrÀge.
- Akquisitionen: ZukĂ€ufe kleinerer Anbieter zur Ausweitung der Reichweite â etwa die Ăbernahme von Saela Holdings (ca. 65 Mio. US-Dollar Umsatz, Fokus auf den Westen der USA).
- Digitalisierung: Ausbau von Kunden-Apps, digitaler Terminplanung, Echtzeit-Serviceberichten und effizienteren Backoffice-Prozessen.
ZusĂ€tzlich gab es jĂŒngst eine KapitalmaĂnahme (sekundĂ€re Aktienplatzierung), um die Bilanz fĂŒr weitere Expansion zu wappnen. Regulatorisch steht vor allem der Umgang mit Pestiziden im Fokus. Strengere Umweltauflagen könnten Kosten erhöhen oder bestimmte Produkte einschrĂ€nken â bisher ohne dramatische Einschnitte.
9) Bewertung â QualitĂ€t zum hohen Preis
Der Knackpunkt bei Rollins ist nicht das GeschÀftsmodell, sondern der Preis:
- KGV (TTM): etwa 57,5 â deutlich ĂŒber dem S&P-500-Marktmittel (ca. 31)
- Im Branchenvergleich: Rollins handelt mit einem Premium-Aufschlag gegenĂŒber Rentokil, Ecolab und ABM.
Diese Bewertung impliziert:
- anhaltend zweistelliges Umsatzwachstum
- stabile oder steigende Margen
- keine gröĂeren regulatorischen oder Reputations-Schocks
Aus EigentĂŒmer-Sicht ist das eine klare Wette: Du kaufst ein defensives, gut laufendes GeschĂ€ftsmodell, zahlst aber einen dicken Aufschlag dafĂŒr. Wenn Wachstum oder Margen in den nĂ€chsten Jahren enttĂ€uschen, ist der Bewertungsdruck nach unten entsprechend hoch.
10) Chancen & Risiken
Chancen
- Strukturelle Nachfrage: Klimawandel, Urbanisierung und höhere HygieneansprĂŒche dĂŒrften die Nachfrage nach SchĂ€dlingsschutz langfristig eher erhöhen als senken.
- Geografische Expansion: AuĂerhalb Nordamerikas ist der Markt noch fragmentierter, was Chancen fĂŒr weitere Akquisitionen bietet.
- Digitalisierung & Effizienz: Bessere Tourenplanung, Apps, automatisierte Dokumentation â all das kann Margen weiter stĂŒtzen.
- Branchenkonsolidierung: Rollins kann als MarktfĂŒhrer kleinere Anbieter aufkaufen und deren Kunden in das eigene System integrieren.
Risiken
- Bewertungsrisiko: Hoher Einstiegsmultiplikator = wenig Fehlertoleranz. SchwĂ€chere Quartale können ĂŒberproportional abgestraft werden.
- Reputationsrisiken: anhaltend schlechte Kundenbewertungen in bestimmten Regionen können Marke und Wachstum belasten.
- Regulierung: VerschĂ€rfte Umweltauflagen fĂŒr Pestizide könnten Kosten erhöhen oder bestimmte Verfahren verbieten.
- MarktsÀttigung in Nordamerika: In vielen Regionen ist der Markt bereits gut durchdrungen, was organisches Wachstum begrenzt.
- Personalkosten & FachkrĂ€ftemangel: höhere Löhne und EngpĂ€sse bei Technikern können Margen drĂŒcken.
11) FĂŒr wen könnte Rollins passen?
Aus Sicht eines langfristigen Mit-EigentĂŒmers könnte Rollins interessant sein fĂŒr Investoren, die:
- defensive, wenig konjunkturabhÀngige GeschÀftsmodelle schÀtzen,
- wiederkehrende Services und stabile Cashflows bevorzugen,
- bereit sind, fĂŒr QualitĂ€t eine hohe Bewertung zu bezahlen,
- und sich mit einem eher âlangweiligenâ, aber robusten GeschĂ€ftsmodell anfreunden können.
Weniger passend ist Rollins fĂŒr alle, die:
- auf niedrige KGVs und klassische Value-SchnÀppchen aus sind,
- kurzfristige Turnarounds oder explosive Wachstumsgeschichten suchen,
- oder sich bei BewertungsaufschlĂ€gen unwohl fĂŒhlen.
12) Alien-Fazit đž
Rollins ist fĂŒr mich ein klassisches Beispiel fĂŒr ein defensives QualitĂ€tsunternehmen: langweiliges Thema, aber starke Margen, wiederkehrende Einnahmen, robuste Bilanz und solider Burggraben.
Die Kehrseite: Der Markt kennt diese Story â deshalb ist die Aktie mit einem KGV jenseits der 50 alles andere als gĂŒnstig. Wer hier investiert, sollte sich bewusst machen, dass ein Teil der Rendite bereits im Preis steckt und dass EnttĂ€uschungen entsprechend weh tun können.
FĂŒr mich als Alien-Investor: Rollins wirkt wie ein qualitativ hochwertiger Baustein fĂŒr ein defensives Depot, aber eher als Beimischung â und nur, wenn man mit dem Bewertungsniveau leben kann. Keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung, nur eine Einordnung aus EigentĂŒmer-Perspektive.