1) Was ist die Wasabi Wallet?
Wasabi ist eine Open-Source Bitcoin-Wallet für Desktop, die sich auf Privatsphäre konzentriert. Sie ist non-custodial: Du kontrollierst deine Private Keys selbst. Der Fokus liegt auf zwei Ebenen:
- Netzwerk-Privatsphäre: Kommunikation läuft typischerweise über Tor (IP-Verschleierung).
- On-Chain-Privatsphäre: CoinJoin, um Input- und Output-Zuordnung zu erschweren.
2) Wie funktioniert CoinJoin in Wasabi grob?
CoinJoin bedeutet: Mehrere Teilnehmer bauen gemeinsam eine Bitcoin-Transaktion. Außenstehende sehen dann nicht mehr eindeutig, welcher Output zu welchem Input gehört. Wasabi nutzt dafür den Ansatz WabiSabi (Credential-basiert).
Vereinfacht gesagt: Du registrierst Inputs, bekommst anonyme Nachweise (Credentials) und registrierst Outputs später getrennt. In der Dokumentation wird außerdem das Konzept beschrieben, dass die „Input-Seite“ und die „Output-Seite“ (oft als „Alice“ und „Bob“ erklärt) über getrennte Kommunikationspfade/Streams laufen sollen, um triviale Korrelation zu erschweren.
CoinJoin ist keine Unsichtbarkeit. Es ist ein Werkzeug, das Analyse erschwert – und danach ist Disziplin Pflicht.
3) Wichtige Begriffe (damit du nicht auf Marketing reinfällst)
- Pseudonym vs. anonym: Bitcoin ist öffentlich. Ohne zusätzliche Maßnahmen bist du oft überraschend gut analysierbar.
- UTXO-Denken: Privatsphäre ist „welcher Coin wird wofür ausgegeben?“ – nicht „Kontostand“.
- Coin Control: UTXOs bewusst auswählen und trennen. Das ist die Basis jeder Privatsphäre-Strategie.
- Heuristiken: Analysten nutzen Muster (Merge, Change, Timing, Reuse). CoinJoin ist ein Gegenspieler – kein Allheilmittel.
4) „Einrichtung“ – eher als Denkmodell, nicht als Anleitung
Ich schreibe das bewusst nicht als Schritt-für-Schritt-Anleitung aus eigener Praxis. Aber wenn du das Thema recherchierst, tauchen fast immer die gleichen Punkte auf:
- Quelle prüfen: Download nur von offizieller Seite oder GitHub. Signaturen/Hashes sind sinnvoll.
- Backup sauber machen: Seed offline notieren, sicher lagern, Passwort stark setzen.
- Trennung planen: Überlege vorher, welche Coins du überhaupt coinjoinen willst und welche nicht.
- Testen statt glauben: Erst kleine Beträge, erst Verhalten verstehen, dann skalieren.
5) Macht Wasabi Bitcoin „anonym“?
Nein. Bitcoin ist grundsätzlich pseudonym: die Blockchain ist öffentlich.
CoinJoin kann die Zuordnung von Inputs zu Outputs stark erschweren. Aber der häufigste Fehler ist nicht „die Wallet“, sondern das Verhalten danach:
- UTXO-Merge: mehrere getrennte Coins später zusammen ausgeben.
- Adress-Reuse: dieselbe Adresse wiederverwenden.
- KYC-Rückkopplung: private UTXOs später wieder mit KYC-Flows vermischen.
- Vorhersehbare Muster: Timing, Beträge, „immer gleiches Verhalten“.
Wenn du nach dem CoinJoin wieder alles zusammenwirfst, war der CoinJoin nur ein teurer Umweg.
6) Coordinator-Shutdown 2024: Warum das relevant ist
Der bekannte Standard-Coordinator (zkSNACKs) hat seinen CoinJoin-Dienst am 1. Juni 2024 eingestellt. Wasabi funktioniert weiterhin als Wallet, aber CoinJoin hängt seitdem davon ab, welchen Coordinator du verwendest bzw. konfigurierst.
Das ist wichtig, weil ein Coordinator Regeln und Parameter setzen kann (z. B. Gebühren, Teilnahmebedingungen, Ablehnungen bestimmter UTXOs). CoinJoin ist ein Protokoll – aber Coordinator-Politik ist trotzdem ein Faktor.
7) Praktische Reibung: Börsen, Banken, „Compliance“
CoinJoin ist technisch eine Kooperations-Transaktion. Trotzdem kann es in der Realität Ärger geben: Börsen/Banken können Einzahlungen aus CoinJoin-Kontext blocken oder Nachweise verlangen. Das ist nicht „gut“, aber es ist die Welt, in der wir leben.
- Wenn du testen willst: starte klein und halte deine Flows sauber getrennt.
- Wenn du später zurück in „KYC-Welt“ willst: rechne mit Fragen.
- Wenn du Privatsphäre willst: akzeptiere, dass Privatsphäre unkomfortabel sein kann.
🛑 Warnung: „Mixing“ kann als Geldwäsche-Risiko gewertet werden
CoinJoin wird von manchen Behörden, Banken und Börsen schnell als Geldwäsche-Indikator oder „Mixing“ eingeordnet. Das heißt nicht automatisch, dass du etwas Illegales tust – aber es kann zu Nachfragen, Einzahlungs-Blockaden, Kontosperren oder „Source of Funds“-Anforderungen führen. Sei dir dieser Realität bewusst und informiere dich zur Rechtslage in deinem Land, bevor du damit experimentierst.
Alien-Fazit
Ich finde Wasabi als Thema spannend, weil es zeigt: Privatsphäre ist nicht ein Knopf, sondern ein Verhalten. CoinJoin kann helfen – aber nur, wenn du Trennung und Coin Control ernst nimmst. Dieser Artikel ist ein Research-Überblick. Wenn ich irgendwann selbst teste, kann ich hier ein Update ergänzen.