Wasabi Wallet auf Tails OS ist die konsequenteste Kombination für CoinJoin mit maximaler Privatsphäre: Das amnesische Betriebssystem schreibt standardmäßig nichts auf die Festplatte, der gesamte Traffic läuft über Tor, und nach dem Herunterfahren bleibt keine Spur im RAM. Der Koordinator sieht nur eine Tor-Exit-IP — kein Klarname, keine Heimadresse, kein Gerät.
Diese Anleitung geht durch den vollständigen Einrichtungsprozess: einmalige Installation im Persistent Storage, Startskript, Koordinatorkonfiguration und den Mix-Workflow für ein solides Anonymitätsset.
1 — Warum Tails?
Tails ist ein Live-Betriebssystem, das von einem USB-Stick bootet und keine dauerhaften Spuren hinterlässt. Für CoinJoin ergibt sich daraus ein klares Sicherheitsprofil:
- RAM-only: Das System läuft vollständig im Arbeitsspeicher. Keine Festplatten-Schreibzugriffe — nach dem Shutdown sind alle Session-Daten weg.
- Tor für allen Traffic: Tails leitet standardmäßig sämtlichen Netzwerkverkehr durch das Tor-Netzwerk. Der CoinJoin-Koordinator sieht nur eine Tor-Exit-IP.
- Persistent Storage (verschlüsselt): Ein optionaler, LUKS-verschlüsselter Bereich auf dem USB-Stick für dauerhafte Dateien. Hier landen das Wasabi-Binary und die Wallet-Daten — so muss die Software nicht nach jedem Reboot neu heruntergeladen werden.
- Kein Adminpasswort nötig: Für die Installation und den Betrieb von Wasabi ist kein Root-Zugriff erforderlich.
Voraussetzungen
- Tails USB-Stick (mindestens 16 GB empfohlen)
- Persistent Storage aktiviert (beim Tails-Start einrichten: Anwendungen → Tails → Persistent Storage)
- Tor-Verbindung hergestellt (Tails verbindet sich beim Start automatisch)
- Kein Admin-Passwort nötig — Standardeinstellungen reichen
- Hardware-Wallet für Empfang der Mix-Outputs (nicht dasselbe Gerät wie CoinJoin-Quell-Wallet)
2 — Installation (einmalig)
Die Installation erfolgt einmalig im Persistent Storage. Bei jedem folgenden Boot ist Wasabi sofort verfügbar — kein erneuter Download.
Download und GPG-Verifikation
Zuerst ins Persistent-Verzeichnis wechseln, die aktuelle Version herunterladen und die GPG-Signatur prüfen. Die Verifikation ist Pflicht — nur so ist sichergestellt, dass das Binary nicht manipuliert wurde.
cd ~/Persistent
VER="2.7.2"
curl -L "https://github.com/WalletWasabi/WalletWasabi/releases/download/v${VER}/Wasabi-${VER}-linux-x64.tar.gz" \
-o "Wasabi-${VER}-linux-x64.tar.gz"
curl -L "https://github.com/WalletWasabi/WalletWasabi/releases/download/v${VER}/Wasabi-${VER}-linux-x64.tar.gz.asc" \
-o "Wasabi-${VER}-linux-x64.tar.gz.asc"
curl -L "https://raw.githubusercontent.com/WalletWasabi/WalletWasabi/master/PGP.txt" \
-o PGP.txt
gpg --import PGP.txt
gpg --verify "Wasabi-${VER}-linux-x64.tar.gz.asc" "Wasabi-${VER}-linux-x64.tar.gz"
Erwarteter Fingerprint (zkSNACKs Ltd.):
6FB3 872B 5D42 292F 5992 0797 8563 4832 8949 861E
Eine Ausgabe wie Good signature from "zkSNACKs Ltd." reicht — die Warnung
"Dieser Schlüssel ist nicht vertrauenswürdig beglaubigt" ist in Tails normal, weil
der zkSNACKs-Schlüssel nicht im lokalen Web-of-Trust verankert ist. Entscheidend ist, dass
der Fingerprint exakt übereinstimmt.
Entpacken und aufräumen
Das Archiv hat eine CI-Pfadstruktur (home/runner/work/...), die aufgeräumt werden muss.
Die Startdatei heißt wassabee — nicht WalletWasabi.Desktop.
tar -pxzf "Wasabi-${VER}-linux-x64.tar.gz"
mv ~/Persistent/home/runner/work/WalletWasabi/WalletWasabi/build/linux-x64 ~/Persistent/Wasabi
rm -rf ~/Persistent/home
Symlink für Wallet-Daten
Wasabi speichert Wallet-Daten standardmäßig unter ~/.walletwasabi — ein
flüchtiger Pfad im RAM. Um die Wallet über Reboots zu erhalten, wird ein Symlink
auf das Persistent Storage gelegt:
mkdir -p ~/Persistent/.walletwasabi
ln -s ~/Persistent/.walletwasabi ~/.walletwasabi
Damit landen Wallet-Dateien, Einstellungen und der Blockchain-Sync-Cache dauerhaft auf dem USB-Stick — geschützt durch die LUKS-Verschlüsselung des Persistent Storage.
3 — Startskript und Desktop-Launcher
Startskript
Das Startskript stellt sicher, dass der Symlink bei jedem Boot korrekt gesetzt ist, und startet Wasabi mit den richtigen Flags:
#!/bin/bash
# ~/Persistent/start-wasabi.sh
if [ ! -L ~/.walletwasabi ]; then
ln -s ~/Persistent/.walletwasabi ~/.walletwasabi
fi
COORDINATOR="https://coinjoin.kruw.io"
~/Persistent/Wasabi/wassabee \
--UseTor=EnabledOnlyRunning \
--CoordinatorUri="$COORDINATOR"
chmod +x ~/Persistent/start-wasabi.sh
Warum --UseTor=EnabledOnlyRunning?
Wasabi bringt eine eigene Tor-Integration mit. Auf Tails läuft bereits ein System-Tor-Prozess, der den gesamten Traffic tunnelt. Wenn Wasabi zusätzlich ein eigenes Tor starten würde, entsteht Tor-über-Tor — das ist langsamer und kann Verbindungsprobleme verursachen.
EnabledOnlyRunning bedeutet: Wasabi nutzt Tor, aber nur wenn ein Tor-Prozess
bereits läuft — startet keinen eigenen. Auf Tails ist das immer der Fall.
Desktop-Launcher (optional)
Damit Wasabi in der Aktivitäten-Übersicht von Tails erscheint, wird ein .desktop-Eintrag
über das Dotfiles-Feature angelegt. Dotfiles müssen im Persistent Storage aktiviert sein.
mkdir -p /live/persistence/TailsData_unlocked/dotfiles/.local/share/applications
cat > /live/persistence/TailsData_unlocked/dotfiles/.local/share/applications/wasabi.desktop << 'EOF'
[Desktop Entry]
Type=Application
Name=Wasabi (CoinJoin)
Exec=/home/amnesia/Persistent/start-wasabi.sh
Terminal=false
Categories=Network;Finance;
EOF
Der Launcher erscheint nach dem nächsten Reboot in der Aktivitäten-Übersicht. Alternativ lässt sich das Skript jederzeit direkt aus dem Terminal starten.
4 — Koordinator: Kruw
Der Standard-CoinJoin-Koordinator von zkSNACKs wurde im Mai 2024 abgeschaltet — Wasabi ohne externen Koordinator verbindet sich nicht. Drittanbieter-Koordinatoren sind non-custodial: Sie koordinieren die Rounds, halten aber keine Coins.
Das Startskript verwendet Kruw (coinjoin.kruw.io): 0 % Koordinatorgebühren,
aktive Runden mit hoher Teilnehmerzahl, bewährt in der Community.
Alternative: OpenCoordinator (api.opencoordinator.org) — beide sind
frei wählbar, indem die Variable COORDINATOR im Startskript angepasst wird.
Koordinator-Kontrolle
Das Koordinator-Feld in den Wasabi-Einstellungen (GUI) bleibt leer — das ist normal. Der Wert wird per Startflag gesetzt und greift trotzdem. Zur Verifikation:
ps aux | grep coordinator | grep -v grep
In der Ausgabe sollte --CoordinatorUri=https://coinjoin.kruw.io sichtbar sein.
Vor dem Mix lohnt ein Blick auf wabisator.com: Dort sind aktive Rounds, Teilnehmerzahlen und Wartezeiten des Koordinators einsehbar. Wenige Teilnehmer bedeuten ein schwaches Anonymitätsset — bei geringer Aktivität lieber warten oder zu Stoßzeiten mixen.
5 — Wallet erstellen
Beim ersten Start: Add Wallet → Create New Wallet. Wasabi generiert einen 12-Wort-Seed (BIP39).
Seed-Sicherung — kein Kompromiss
- Seed auf Papier aufschreiben — kein Foto, kein Screenshot, kein digitaler Speicher
- Passphrase setzen: Eine BIP39-Passphrase ist kein optionaler Passwortschutz, sondern Teil des Schlüssels selbst
- 12 Wörter + Passphrase = Zugang. Eins ohne das andere ergibt eine andere, leere Wallet — ohne Fehlermeldung
- Passphrase ebenfalls offline sichern, getrennt vom Seed
- Eine falsche Passphrase führt zu einer anderen gültigen, aber leeren Wallet — Wasabi meldet keinen Fehler
Nach der Erstellung wird die Wallet durch den Koordinator registriert. Der erste Filter-Download (BIP158) dauert einige Minuten — Wasabi synchronisiert dabei nicht die volle Blockchain, sondern nur kompakte Filter.
6 — Mix-Workflow
Goldene Regeln vor jedem Mix
- Sauberer Boot: Nur Wasabi geöffnet, kein Login bei identitätsbindenden Diensten in dieser Session
- Output-Adresse: Frische, noch nie verwendete Adresse einer Hardware-Wallet — eine Adresse pro Mix
- Output nie direkt an eine KYC-Börse senden
- Nur den Betrag mixen, der gemischt werden soll — nicht den gesamten Stack auf einmal
- Empfangs- und Zieladressen gegenchecken: QR-Code scannen oder Zeichen für Zeichen vergleichen
- Mix nicht unterbrechen: PC wach halten, Tails nicht in den Schlafmodus
- Coinjoin-Strategie vorab wählen (Wallet Settings → Coinjoin-Tab): Enhance Privacy für ein höheres Ziel — du beobachtest den Privacy Progress, keine hochtickende Zahl
Ablauf Schritt für Schritt
1 In Wasabi eine Empfangs-Adresse unter Receive erzeugen.
2 Von der Hardware-Wallet den zu mixenden Betrag an diese Adresse senden. Mindestbetrag beachten (aktuell ~0,01 BTC, abhängig von der Round-Konfiguration des Koordinators).
3 Mindestens 1 Bestätigung abwarten, bis der UTXO in Wasabi erscheint.
4 Unter Privacy den UTXO auswählen und Play drücken. Auto-Mix ist per Default deaktiviert — manueller Start.
5 Auf Privacy Progress 100 % warten — Wasabi meldet „Hurray! All your funds are private!" sobald alle Coins das gesetzte Ziel erreicht haben. Je nach Koordinator-Aktivität dauert das zwischen wenigen Minuten und mehreren Stunden.
6 Unter Send den gemixten Output an eine frische Adresse der Hardware-Wallet senden. Keine direkte Weiterleitung an eine Börse oder anderen identitätsbindenden Dienst.
7 Tails herunterfahren. Persistent Storage ist verschlüsselt — die Wallet-Daten bleiben sicher auf dem USB-Stick.
7 — Troubleshooting
Die häufigsten Probleme und ihre Lösung:
-
Koordinator verbindet nicht: Einen Schrägstrich (
/) ans Ende der Koordinator-URL anhängen:https://coinjoin.kruw.io/. Manche Koordinatoren erwarten den Trailing Slash. -
Fehler beim Start, keine Ausgabe: Wasabi über das Terminal starten statt
über den Desktop-Launcher — so sind Fehlermeldungen sichtbar:
bash ~/Persistent/start-wasabi.sh -
Koordinator-Feld in den Einstellungen leer: Das ist normal und kein Bug.
Der Wert wird per Startflag übergeben und ist aktiv, auch wenn die GUI nichts anzeigt.
Kontrolle per
ps aux | grep coordinator | grep -v grep. - Sync dauert sehr lange: Beim ersten Start müssen die BIP158-Filter heruntergeladen werden. Das kann je nach Tor-Verbindungsgeschwindigkeit 10–30 Minuten dauern. Geduld — Tor auf Tails ist manchmal langsam.
-
Wallet nach Reboot verschwunden: Prüfen, ob der Symlink korrekt gesetzt ist.
Das Startskript setzt ihn bei jedem Start neu — wenn Wasabi ohne das Skript gestartet wurde,
kann der Symlink fehlen. Lösung: immer über
start-wasabi.shstarten.
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